Das grüne, grüne Land der Hoffnung

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„Läuft doch“, denke ich mir und gebe noch etwas mehr Gas. Die Landschaft zieht sehr langsam an mir vorbei. Plötzlich, von rechts, ein anderes Auto. Drängt sich rein. Ich lächle grimmig und drücke noch mehr aufs Gaspedal. Nicht mit mir, Freundchen.

Doch der andere Fahrer denkt nicht im Traum dran, sich von mir rausklemmen zu lassen. Er wird auch schneller. Ich mache es genauso. Aber sein Wagen ist überlegen. Himmelnochmal, das kann doch nicht wahr sein. Ich fluche. Noch mehr Gas. Aber es geht nicht mehr. Der andere hat gewonnen. Ich fluche wieder, laut diesmal. Und mehr als nur einmal. Weit mehr. Na super, was für ein Start in den Tag.

Als sich der rote Schleier des Zornes wieder lüftet, schüttle ich den Kopf über mich selbst. Ist es das, was meine Religion mich lehrt? Zorn? Hass? Überlegensheitsgesten?

Ist es das, was ich von mir selbst als Meditationslehrer erwarte? Aus der Haut zu fahren, bei absolut unwichtigen Ereignissen? Die Gelassenheit zu verlieren? Die Schuld bei anderen zu suchen?

Ist es das, was ich von meinem Leben selbst erwarte? Wieder zurückzufallen in alte Verhaltensweisen? Dünnhäutig auf Dinge zu reagieren, die nichts mit mir persönlich zu tun haben? Mich genau wieder so zu verhalten, wie ich den Leuten immer predige, sich nicht zu verhalten?

Was ist nur passiert?

Diese Frage zu beantworten, ist nicht ganz einfach. Meine Angespanntheit ist das Ergebnis mehrerer Faktoren. Und schonungslose Ehrlichkeit ist wichtig in solchen Angelegenheiten, deshalb: Keine Situation ist „schuld“ an meinem Gemütszustand. Selbst wenn ich keinen direkten Einfluß auf ein Ereignis ausüben kann, eines liegt immer, IMMER, in meiner Hand: meine Reaktion darauf.

Und genau dieses Wissen habe ich in letzter Zeit links liegen lassen. Ich ließ mich gehen. Und versteckte meine Faulheit hinter dem eifrig vorgetragenen Schlagwort des „Daoismus“. Aber, Hand aufs Herz, das, was ich in den vergangenen Monaten praktiziert habe, war kein Daoismus. War keine Gelassenheit. Nichts davon. Jeder wohlklingende Begriff war vorgeschoben. In Wirklichkeit entschuldigte ich damit meine Trägheit.

Unterstützt hat meine Trägheit (Buddha nennt sie eines der fünf Hindernisse zu einem erfüllten Leben) mit großer Sicherheit auch meine derzeitige chaosmagische Praxis.

Es ist nicht das erste Mal, daß ich an meine Grenzen stoße, wenn ich Chaosmagie betreibe.

Das Problem, das sich wieder aufgetan hat und das ich nicht wahrhaben wollte, ist leicht beschrieben: Chaosmagie bietet im Grunde genommen keine Methoden, um positiv und aufbauend auf das eigene Denken einzuwirken. Die Methodik erlaubt das sehr wohl, aber es gibt keinen Kanon, der Praktizierenden dabei helfen würde, in sich selbst zu ruhen, stabil zu sein und trotzdem auf die Welt einzuwirken.

Obwohl meine Religion, Bhakti Yoga, mir zeigt, daß Liebe das allerwichtigste Ziel im Leben sein muß, hatte ich es zeitweilig aus den Augen verloren. Weil ich die chaosmagische Praxis überwiegen ließ. Und hier dreht sich das Argument im Kreis: eben gerade weil Chaosmagie keine moralischen Regeln kennt, Bhakti Yoga eben schon, reiben sich beide Praktiken aneinander.

Deshalb räume ich radikal auf, wieder einmal. Ich entferne diejenigen Dinge aus meinem Leben, die mir nicht gut tun.

Deshalb: Chaos Magick gotta go.

Aber was tun anstattdessen?
Diese Antwort fällt mir, Gott sei Dank, sehr einfach. Die zweite Schule des Schamanismus, die ich jahrelang praktizierte, war Huna, genauer gesagt: Serge Kahili King-Huna.

Man könnte sich nun drüber streiten, ob Huna (hawaiianisch für „Geheimnis“, hat aber nichts mit The Secret zu tun, sondern ist viel, viel älter) nun echter hawaiianischer Schamanismus ist oder nicht. Könnte. Aber wenn ich mich drauf einließe, würde ich mich schon wieder auf Dinge konzentrieren, die nichts Gutes in mein Leben bringen. Wenn ich die Nachteile einer Angelegenheit aufzähle, sehe ich nur das Schlechte. Und ja, Huna hat recht, wenn es sagt: „Energie fließt dorthin, wohin sich die Aufmerksamkeit richtet“.

Je mehr ich Kritik übe, desto mehr Aufmerksamkeit und Energie gebe ich den nachteiligen, schlechten Aspekten in meinem Leben — ich verstärke sie.

Deshalb: Mir ist es egal, wie alt oder wie echt hawaiianisch Huna ist. Es wirkt, und Wirksamkeit ist der Maßstab für Wahrheit.

Was macht Huna so wunderbar?

Es ist ein komplettes, in sich geschlossenes schamanisches System. Es beschäftigt sich sowohl mit Methoden, die das Selbstbewußtsein stärken, positives Denken fördern und die Kommunikation mit dem Unterbewußtsein ermöglichen, als auch mit Strategien, wie ich meine Realität verändern kann. Wie gesagt, es ist ein komplettes, umfassendes System. Und ich freue mich, daß ich wieder zu ihm zurückgefunden habe.

Im Huna halten wir das Ideal des Abenteurers hoch. Es steht im Gegensatz zum Archetyp des Kriegers, der in vielen schamanischen Schulen bestimmend ist. Während der Krieger-Schamane Hindernisse und Krankheiten personifiziert, um sie zu bekämpfen, suchen wir friedliche Lösungen und schaffen Win-Win-Situationen, weil wir wissen, daß alles belebt ist und dementsprechend eine Seele hat.

Eines der Grundprinzipien im Huna ist „Aloha“ — die Liebe. Wer liebt, ist zufrieden mit dem, was ihm geschieht und mit dem, was er macht. Wer liebt, kann gar nicht anders als entspannt zu sein. Wer liebt, kritisiert nicht. Das ist die große, heilende, radikale Kraft des Huna.

Mahalo nui loa.

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2 Kommentare zu “Das grüne, grüne Land der Hoffnung

  1. Schön! Ich erlebe auch immer mehr, wie sehr positives Denken und Verhalten auch Positives bewirkt. Es geht einem besser und wenn es einem besser geht, passieren auch mehr positive Dinge. So setzt sich das Ganze fort. Und wenn dann mal etwas Negatives passiert, fällt man weicher und nicht ganz so tief.

    • Ja, und Huna kann noch viel mehr. Es ist halt alter, hawaiianischer , aber modernisierter Schamanismus.
      Da gehen noch ganz andere Dinge, aber die gehören nicht hierher auf den Blog 😉

      Falls dich das interessiert, gebe ich dir gerne die Adresse meines anderen Blogs: indogermanisch.com

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