Positives Denken ist nicht realistisch: Wie Sie Ihren inneren Kritiker besiegen

"Fat Elvis", by Karson.  https://www.flickr.com/photos/kardigan/1240425864/

(c) Karson

Unser Gehirn ist ein Muskel. Je mehr wir es trainieren, desto fitter wird es.
Das gilt nicht nur für Denksport-Aufgaben, sondern auch für unser Wohlbefinden.

Mittlerweile gilt es als bewiesen, daß wir unsere Gehirnchemie innerhalb gewisser Grenzen verändern können, indem wir unser Gehirn trainieren.

Um schlicht und einfach glücklicher zu sein (was nicht bedeutet, immer und überall glücklich zu sein, sondern eine bessere Grundstimmung zu haben), gibt es einige Methoden, unseren inneren Kritiker in seine Grenzen zu verweisen.

„Der innere Kritiker“, so bezeichne ich die negativen Gedanken, die wir uns selbst gegenüber haben. Gedanken, die uns boykottieren und uns nicht gut tun.

So bringen wir uns selbst dazu, den ständigen Beschwerden unseres inneren Kritikers ein Gegengewicht zu setzen:

1) Seien Sie achtsam. Achtsamkeit ist der erste Schritt zur Besserung.

Passen Sie mal auf, wie viele negative Gedanken Sie mit sich herumtragen. Es ist erstaunlich. Vielleicht kommt Ihnen der ein oder andere Satz bekannt vor.

„Ich bin zu schwach.“
„Ich bin so fett.“
„Ich habe keine Ausdauer.“
„Ich schaffe das nie.“
„Ich bin so doof, jetzt habe ich wieder XYZ vergessen.“

2) Setzen Sie jedem negativen Gedanken einen positiven entgegen.

Das kann anstregend sein, vor allem am Anfang. Aber nur so verändern Sie die Hormon-Ausschüttung Ihres Gehirns zum Besseren. Seien Sie geduldig. Das hier ist Training. Nur Übung macht den Meister.

Setzen Sie diese Neutralisierungs-Technik auch bei Kritik von anderen ein. Beispielsweise:

Kritiker: „Sie sind unfähig, Schmid!“
Schmid (denkt ganz intensiv): „Nein! Ich bin fähig. Ich kann das. Und wenn ich es noch nicht so gut kann, dann lerne ich es.“

3) „Positives Denken“, wie die meisten Leute es verstehen, macht uns unglücklicher.

Es gibt Untersuchungen darüber, daß positive Denker, die ihr „großes Ziel“ positiv formulieren (auch solche, die positives Denken mit Visualisierung kombinieren), im Schnitt erfolgloser sind als „realistisch
positive“ Denker, die TEILZIELE positiv formulieren.

Wenn wir heute „positiv Denken“ hören, haben die meisten von uns Mitmenschen im Sinn, die mit rosarot getönten Brillen durchs Leben laufen und sich alles schönreden. Das ist nicht realistisch, und führt (wie oben erwähnt) sehr oft nicht zum Ziel. Als Folge davon werden viele Menschen noch unglücklicher.

Wir sind nicht blöd — wenn wir Übergewicht haben, dann merkt unser Unterbewußtsein sofort, daß wir es verschaukeln wollen, wenn wir ständig „Ich bin schlank, ich bin schlank, ich bin schlank“ denken. Der Kontrast zwischen dem, was tatsächlich ist, und dem, was wir sagen, ist einfach zu groß. Deshalb: Das bringt nichts.

Die Forschung zeigt eindeutig, daß wir besser bedient sind, wenn wir unser „großes Ziel“ (abnehmen, stärker werden, Kondition bekommen, was auch immer) in kleine Teilziele einteilen und diese Ziele a) positiv formulieren UND b) tätig werden.

Beispiel:
„Ich bin so dick“ — bringt Ihnen nichts. Also:
„Ich kann 1 Kilogramm abnehmen und ich werde das auch tun“ — ein Teilziel. Nun haben Sie Ihr „positives Denken“, also ab mit Ihnen ins TRAINING! Positiv denken alleine bringt nichts, wenn Sie nichts TUN.
Wenn Sie dieses Teilziel erreicht haben, setzen Sie sich ein neues und wiederholen den Vorgang.

4) Ein kleiner Wort-Trick für bessere Stimmung

Wenn Sie sich dabei ertappen, wie Sie schlecht über sich selbst urteilen, setzen Sie einen neuen Satz mit dem Wörtchen „aber“ dahinter, in dem Sie beschreiben, wie es besser werden kann.

Aus „Ich bin so dick“ könnte beispielsweise werden „Ich bin zwar dick, aber es gibt viele Leute mit meiner Statur, die ebenfalls zehn, zwanzig Kilo abgenommen haben!“

5) Seien Sie geduldig.

Für mich als Meditationslehrer ist dieser Punkt einer der wichtigsten. Und zugleich einer, mit dem die meisten Menschen Probleme haben. Seien Sie nicht so streng mit sich selbst. Geben Sie sich etwas Spielraum. Seien Sie geduldig. Auch die Reise von 10.000 Schritten beginnt mit dem ersten, heißt es so schön im Zen-Buddhismus.

Gehen Sie den ersten Schritt. Und dann den zweiten. Und den dritten. Seien Sie geduldig. Sie werden ankommen.

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2 Kommentare zu “Positives Denken ist nicht realistisch: Wie Sie Ihren inneren Kritiker besiegen

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