Hier spricht die Paleo-Polizei!

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Ein internet-typisch scharf formulierter Kommentar hier auf Paleoleben hat mich zuerst zu einer kurzen Antwort, dann aber zu dem Artikel bewegt, den Sie jetzt lesen.

Hauptkritikpunkt der Schreiberin war die Tatsache, daß ich in meiner persönlichen Vorstellung geschrieben hatte:

(Bio-)Fleisch, Fisch, Geflügel und tierisches Fett ist für die Paleo-Ernährung wichtig, außerdem Butter, Eier, Olivenöl und Palmöl. Tierisches Fett und Protein und frisches Gemüse sind die Basis der Paleo-Ernährungspyramide.

Butter sei nicht Bestandteil der Paleo-Diät, kam die Kritik, schön ohne „Guten Tag“, „Hallo“ oder ähnliche Unwichtigkeiten des konfliktfreien Miteinanders formuliert.

Daraufhin antwortete ich, daß ich hier auf Paleoleben vor mehr als einem Jahr sogar einen Artikel zum Thema „Paleo oder Primal?“ veröffentlicht hatte.

By jules (chocolate-2) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

*)

Nur, um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Ich erlaube mir hin und wieder Käse und andere Milchprodukte, solange sie vollfett (und bei Käse: vergoren) sind. Schrecklich, ich gönne mir sogar hin und wieder etwas Schokolade! Diesen Umgang mit Lebensmitteln muß man lernen, und das geht nur durch Ausprobieren. Aus eigener Erfahrung weiß man dann, welches „Nicht-Paleo“-Essen man hin und wieder genießen kann. So ist es bei mir auch. Und das tun eben so viele zehntausende von anderen Paleos auch, ohne daß sofort die Paleopolizei auf den Plan gerufen wird:

„Halt! Stop! Du ernährst dich (oh Graus!) nicht hunderprozentig nach den Heiligen Geboten des Sankt Paleo!“

Und das Lustige ist: Allem Anschein nach sind nicht mal die Posterboys der Paleo-Bewegung, Robb Wolf und Loren Cordain, so „richtig paleo“: empfehlen sie doch beispielsweise, eher mageres Fleisch zu essen. Das aber ist alles andere als Paleo, weil der aktuelle Forschungsstand belegt, daß unsere Vorfahren mit großer Sicherheit hauptsächlich das FETTE FLEISCH (Organe) der Tiere verzehrt haben. Es gibt heute noch Jäger- und Sammlervölker, die das Muskelfleisch der Tiere an ihre Hunde verfüttern, für sich aber das fette Organfleisch aufheben.

Die Kommentatorin fährt fort:

Ebenso viele andere Ungenauigkeiten, mal abgesehen von der hanebüchenen Rechtschreibung, gibt es auf dieser deiner webside.

DEN finde ich wirklich ulkig, und das aus zwei Gründen: zum einen, weil ich hier im Blog (auch darüber habe ich schon einen Artikel geschrieben) mit dem schönen alten scharfen S schreibe, und zum anderen, weil ich so schreibe, wie ich das damals in meiner Journalismus-Ausbildung gelernt habe. Klar, wenn ich einen meiner Tagesjobs ausübe, schreibe ich nach neuer deutscher Rechtschreibung — aber auch nur, weil ich an einer Universität (also eine öffentliche Einrichtung) erwachsene Menschen unterrichte. Mittlerweile bin ich seit 15 Jahren als Journalist und Texter tätig, das dürfte als Qualifikation fürs Blogschreiben reichen (und selbst, wenn ich „einfach nur so“ schreiben würde, reichte das aus, weil Blog = Privatvergnügen und so). Und übrigens, eine „webside“ habe ich nicht. Paleoleben ist ein Blog.

Weiter im Text, und es wird nicht freundlicher:

Ein Beispiel: “Kokosmehl, Leinsamenmehl und Mandelmehl beispielsweise können annähernd genauso verwendet werden wie das Weizenprodukt.” -Eben nicht. Weder geschmacklich noch von seinen Backeigenschaften gleichen die genannten Alternativen annähernd dem Weizenmehl.

Da kann ich nur schreiben: LIES MAL GENAUER. Ich habe „annähernd“ geschrieben, und dann das wichtigste Wort: „verwendet“. Ich habe nicht geschrieben „Kokosmehl und Co. schmecken genauso“. Ich habe auch nicht geschrieben, daß das Backverhalten dieser Mehle wie Weizenmehl ist. Alles das habe ich nicht geschrieben. Aber alleine die Annahme, daß ich es getan habe, löst einen (in meinen Augen) absolut unnötigen, spitzzüngigen Kommentar aus.

Es wird Zeit, auch hier steinzeitlich gelassener zu werden — und damit nehme ich ausdrücklich mich nicht aus. Nicht alles, was um uns herum passiert, will uns schaden oder wird absichtlich gegen uns gerichtet. In solchen Fällen empfehle ich meinen Schülern und Klienten immer die „Four Agreements“ von Don M. Ruiz. Das ist zwar ein New Age-Buch, aber die Regeln sind wirklich brauchbar:

4agreements

  • Sei untadelig mit deinem Wort.
  • Nehme nichts persönlich.
  • Treffe keine Annahmen (wenn du etwas nicht 100-prozentig sicher weißt).
  • Gib stets dein Bestes.

Jeder von uns hat seine Meinung, aber wenn wir uns über jede andere Meinung aufregen, wird das Leben zum unnötigen Stress. Und wir ziehen andere mit rein, die da gar nicht mitmachen wollen. Zum letzten Punkt der Kritik:

Es wäre schön, wenn hier mehr Genauigkeit in puncto Lebensmittellehre vermittelt würde, diese ist besonders bei Paleo für Interessierte und/ oder Ahnungslose nötig und wichtig, da es wirklich auf die feinen Unterschiede (wie auch bei Fetten z.B.) ankommt.

Und diese letzte Behauptung ist einfach nicht korrekt. Sie stimmt nicht. Ich selbst hatte mit ketogener Diät annähernd die gleichen Ergebnisse wie mit Paleo — und das bestätigen auch viele Kraftsportler und Bodybuilder, die ebenfalls beide Ernährungsweisen kennen. Auch „Interessierte und/oder Ahnungslose“ werden mit Paleo abnehmen, EGAL ob sie nun Butter und Käse weglassen oder nicht. Wer was anderes behauptet, hat entweder nicht sonderlich viel praktische Erfahrung mit dem Thema oder unterschlägt diese Informationen, aus welchen Gründen auch immer.

So, damit genug gesagt. Ich wünsche euch ein schönes und vor allem friedliches Halloween!

Liebe Grüße
Norbert

*Bildnachweis:
Schokolade: By jules (chocolate-2) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

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